Zwischenbericht Juni 2017

Liegenschafts- und Gebäudekonzept

Was geschah bisher

Regelmäßig ist in den letzten zehn Jahren im „Gemeinde-Bote“ der Evangelischen Kirchengemeinde bei den Berichten über die Arbeit des Kirchengemeinderats und aus der Gemeindeversammlung neben den allgemeinen Berichten aus der Kirchengemeinde über die Entwicklung und den jeweiligen Stand des Liegenschaftskonzepts berichtet worden. Heute soll in einer Zusammenfassung einfach nochmal gezeigt werden, was bisher geschah und wie es weitergehen sollte.

Begonnen hat alles mit der Erkenntnis eines großen Instandhaltungs- Sanierungsbedarfs der vorhandenen kirchengemeindeeigenen Gebäuden sowie der Teilnahme 2010 am Haushaltssicherungskonzept der Landeskirche aufgrund der defizitären Haushaltslage.
Wichtige Erkenntnisse und eine entscheidende Grundlage bildete die in den Jahren 2011 erstellte Machbarkeitsstudie von prokiba, Gesellschaft für Projektentwicklung und Projektsteuerung für kirchliches Bauen in Baden, Diese Studie, in der Gemeindeversammlung am 25.03.2012 der Gemeinde sowie Öffentlichkeit vorgestellt, zeigte unabhängig der akuten Schadensereignissen an den Gebäuden im Amselweg mit dem Wassereinfall und der Schimmelbildung den dringenden Handlungsbedarf.

Zahlreiche Diskussionen und Beratungen im Kirchengemeinderat, den Gemeindeversammlungen und dem zusätzlich gebildeten Strukturbeirat führten letztendlich schon 2013 zu folgenden eindeutigen Ergebnissen:

  • Mittelpunkt des Gemeindelebens soll das Kirchengelände mit der Kirche sein, dort in unmittelbarer Nähe sollen auch neue Gemeinderäume entstehen
  • Aufgabe des Gebäudebestandes im Amselweg und in der Anna-Bender-Straße
  • Übernahme der Betriebsträgerschaft der Kinderbetreuungseinrichtungen (Martin-Luther- und Melanchthon-Kindergarten) im Gebäudebestand der politischen Gemeinde

Die Erkenntnis war zwar dar, zur Umsetzung bedurfte es jedoch noch viel Arbeit. Die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde mit dem Kirchengemeinderat, Strukturbeirat und Gebäudeausschuss hatten es nicht leicht. Alle Beteiligten angefangen mit den Gemeindemitgliedern und deren gewählten Vertretern, der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau, der politischen Gemeinde und den Vertretern der Landeskirche mussten bei allen unterschiedlichen Schwerpunkten und Interessen zu einem von allen getragenem Ergebnis kommen. Auch wenn nicht immer alles so gelaufen ist, wie man sich das vorgestellt und gewünscht hat, ist nach vielen zähen, manchmal ergebnislosen, häufig erfreulich konstruktiven Gesprächen und Verhandlungen ein weit- und richtungsweisendes Vertragswerk zustande gekommen.

Um Verständnis zu werben für diese in der Kirchengemeinde nicht immer transparent nachvollziehbaren Geschehnisse soll versucht werden, die Komplexität der Gesamtsituation für diese Beschlüsse und Verträge aufzuzeigen:

  • Für das neue Kindergartengelände des Martin-Luther- Kindergartens musste die politische Gemeinde mit der Evangelischen Stiftung Schönau einen flächengleichen Tauschvertrag mit einem zugunsten der Kirchengemeinde belasteten Vorkaufsrecht, Weiterhin musste die politische Gemeinde eine zusätzliche Fläche von der Evang. Stiftung Pflege Schönau erwerben, damit auf dem neuen Kindergartengelände eine 6-gruppige Kindergarteneinrichtung errichtet werden kann.
  • Die Evang. Stiftung Pflege Schönau brauchte eine Zusicherung der politischen Gemeinde, dass die bisher im Bebauungsplan als Gemeinbedarfsfläche vorgehaltene zukünftig als Wohnbaufläche ausgewiesen wird. Dazu bedarf es einer Teiländerung des Bebauungsplans.
  • Die Kirchengemeinde musste für ihr Ziel, unmittelbar bei der Kirche ihr neues Gemeindezentrum zu verwirklichen, die finanziellen Grundlagen schaffen. Dazu mussten die kircheneigenen Gebäuden am Amselweg verkauft werden. Der Verkauf an die Evang. Stiftung Pflege Schönau sowie der Verkauf des Gemeindehauses in der Anna-Bender-Straße an die politische Gemeinde machte aber nur Sinn, wenn gleichzeitig die Voraussetzung für das neue Gemeindezentrum bei der Kirche umgesetzt werden kann.
  • Die ursprünglich mal angedachte Realisierung eines Gemeindezentrum zwischen der Kirche und dem „ehemaligen Leichenhäuschen“ bzw. dem Anwesen Koch konnte aus städtebaulichen Gründen nicht zum tragen kommen. Somit musste der Kirchengemeinde eine Fläche der politischen Gemeinde in unmittelbarer Nähe der Kirche zur Verfügung gestellt werden.
  • Dies ist erreicht worden. Die Kirchengemeinde kann ihr Gemeindezentrum hinter der Kirche auf einem noch zu vermessendem Teilgrundstück von ca. 1200 qm auf dem heute noch das „Kälbleheim“ steht verwirklichen. Das Grundstück wird von der politischen Gemeinde mit einem dann noch abzuschließendem Erbpachtvertrag der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt.
  • Vorher ist es wiederum erforderlich, dass das die Karnevalsgesellschaft Edinger Kälble ihr Vereinsdomizil aufgibt und in den Bereich des Sport- und Freizeitzentrums, ehemaliges Brieftaubenzuchtgelände umzieht. Die erforderlichen schriftlichen Vereinbarungen, Kündigungen, Entschädigungen und Zuschussfragen müssen noch geklärt werden.

Allein aus diesen Ausführungen ist ersichtlich, wie kompliziert und komplex sich das ganze Verfahren entwickelt hat und immer noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Betrachtet man die ersten Beschlüsse und Gespräche aus dem Jahre 2010, so kann festgestellt werden: Es hat sich viel getan. Die Kirchengemeinde ist auf einem guten zukunftsweisenden Weg. Dieser Weg war bisher nicht einfach und wird es auch in den nächsten Jahren nicht sein. Die Veränderungen und die Überbrückungszeit erfordern viele Opfer und Verständnis von allen Beteiligten.
Die Vertreter der Kirchengemeinde haben mit dem Kirchengemeinderat und den sie unterstützenden Gruppen, von denen vor allem der Strukturbeirat mit seinem Sprecher Jürgen Ding zu erwähnen ist, ein verantwortungsbewusstes Handeln gezeigt. Natürlich ist manche Entscheidungen auf Unverständnis oder gar Ablehnung gestoßen, die Entscheidungsprozesse waren oft wenig transparent und manchmal vielleicht auf für Außenstehende verwirrend. Doch im Ergebnis ist die Kirchengemeinde viel weiter, als es in der Öffentlichkeit bekannt ist, wenn es auch bis zur Schaffung des neuen Gemeindezentrums noch ein weiter Weg ist. Die Grundlagen sind aber geschaffen und es sind gute Grundlagen. Nun liegt es an uns allen Kirchengemeindegliedern was wir daraus machen.

Wie geht’s weiter mit dem neuen Gemeindezentrum

Die Grundlagen für das weitere Vorgehen bilden die abgeschlossene Verträge und Beschlüsse, deren Umsetzung wie aufgezeigt aber von mehreren Faktoren abhängig ist. z..B. können Kälble erst umziehen, wenn sie ihre vertragliche Situation mit der politischen Gemeinde geklärt haben.

Das gesamte Projekt eines neuen Gemeindezentrums muss mit dem von der Landessynode der Badischen Landeskirche beschlossenen Liegenschaftsprojekt abgestimmt werden.

Das Liegenschaftsprojekt der Landeskirche hat das Ziel, die finanzielle Belastung der Kirchengemeinden durch zu hohe und teilweise veraltete Gebäudebestände zu reduzieren. Dazu sollen die Kirchenbezirke einen Gebäudemasterplan erstellen. Im Gebäudemasterplan sind alle Gebäude eines Kirchenbezirks enthalten (Kirchen, Pfarrhäuser, Gemeindehäuser und sonstige Gebäude der Kirchengemeinden wie Kindertagestätten u.ä,). Derzeit läuft dieses Projekt im Kirchenbezirk Weinheim-Ladenburg und somit auch für Edingen-Neckarhausen. Da die Evangelische Kirchengemeinde Edingen hier in den letzten Jahren weitreichende Entscheidungen getroffen hat und sich von den alten Gebäuden bereits getrennt hat, ist schon ein entscheidender großer Schritt für ein neues Gemeindezentrum auch entsprechend den Vorgaben der Landeskirche getan. Nun gilt es zielorientiert und zukunftsträchtig die weiteren Schritte zu tun.

Weiterhin sollen regelmäßige Veröffentlichungen und Sachstandsberichte hier im Gemeinde-Bote, dem Newsletter der Evang. Kirchengemeinde und der Gemeindeversammlung erfolgen.

In den nächsten Monaten ist eine außerordentliche Gemeindeversammlung nur zum Thema „künftiges Gemeindezentrum“ vorgesehen, bei der die Kirchengemeindemitglieder nochmals ausführlich über die bisherigen Beschlüsse und Verträge sowie über das weitere Vorgehen informiert werden. Weiterhin ist eine umfassende Information über das Landeskirchliche Liegenschaftsprojekt im Kirchenbezirk Ladenburg – Weinheim und die möglichen Auswirkungen auf unsere Kirchengemeinde vorgesehen. Dazu sollen eigens dafür zuständige externe Berater und Projektbegleiter eingeladen werden.

In einem nächsten Schritt danach muss sich dann die Kirchengemeinde konkret mit der Planung des künftigen Gemeindezentrums befassen. Dabei sollen alle Gruppen, Chöre und interessierte Gemeindeglieder beteiligt und einbezogen werden. Es ist vorgesehen, dass diese Phase von einem erfahrenen Projektentwickler begleitet wird, der ähnliche Maßnahmen bereits umgesetzt hat und die rechtlichen Vorgaben wie Rahmenbedingungen der Landeskirche, Finanzierung- und Fördervorgaben, Architektenwettbewerbe etc . kennt. Also gilt es in den nächsten Monaten einen solchen Projektentwickler zu finden und zu beauftragen.

Ziel sollte es sein, die Planungen soweit voranzutreiben, dass die erforderlichen Zustimmungen des Bezirkskirchenrats und der Landeskirche zu dem Bauvorhaben einschließlich der Finanzierung und Förderung vorliegend, wenn in ein bis zwei Jahren das Gelände für das neue Gemeindezentrum dann hoffentlich zur Bebauung frei ist und zur Verfügung steht.

Wolfgang Ding
Juni 2017